Troilus und Cressida
nach Shakespeare
Theater des Lachens Berlin in Koproduktion mit dem Toihaus/Theater
am Mirabellplatz/Salzburg und dem Theater unterm Dach/Berlin
2004
Gefördert durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft,
Forschung und Kultur Berlin.
Ausstattung: Michael Walter
Musik: Jürgen Kurz
Kampftrainer: Ulf Kirschhofer
Spiel: Thomas Beck, Martin Bermoser, Elisabeth Breckner, Dorit Ehlers,
Markus Kofler
Produktion: Busche und Mans – Secretariat für Cultur



Zum Stück:
Seit Jahren belagern die Griechen die trojanische Burg Irion. Seit Jahren
halten die Trojaner stand - ihre Burg gilt als uneinnehmbar. Der Kriegsgrund
war einmal Helena. Sie wurde von der einen Seite geraubt und durch die
andere zurückgefordert, seit sechs oder sieben Jahren geht das schon
so, der Kriegsgrund altert allmählich, er verliert an Wert. Und die
Helden verkommen zu Menschen. Aber jetzt aufhören mit dem Krieg,
nach so viel Jahren, wäre doch blöd - man hat sich an ihn gewöhnt,
man hat sich eingerichtet. Es gibt Liebe und Gefechte, große Reden
und Gelage... Und die Totenvögel - die die Schlacht brauchen - warten
ungeduldig und beginnen sich das Spiel anzueignen, bis es endlich Tote
gibt. Kassandra hat es von vornherein gewusst, aber niemand wollte sie
hören. Mitten in diesem sinnentleerten Belagerungskampf entspinnt
sich die Geschichte des Liebespaares Troilus und Cressida. Ihr Liebesschwur
hält eine Nacht. Dann wird Cressida von ihrem Vater gegen einen gefangenen
trojanischen Feldherrn ausgetauscht. Der Chor der Totenvögel umlagert
das Schlachtfeld und wartet - hungrig, gierig... In der Spieltradition
des „Theater des Lachens“ sind es Bouffone und Narren, die
die Szene bevölkern und das Stück erzählen, verschroben
und verrückt, um umso deutlicher auf den Kern der Geschichte zu schauen.
Auf dem Hochseil des Lachens über dem Abgrund der Tragödie -
Zwischenwesen in einem Problemstück der Realität.
Kritikauswahl:
Dem "Theater des Lachens" ist im Theater unterm Dach eine
saftige Inszenierung von "Troilus und Cressida" nach Shakespeare
gelungen. Mit steter Inbrunst fuchteln, meucheln, straucheln die Helden
vor sich hin. ... Das Publikum lacht, befreit durch Griesbachs Blick auf
das Narrentreiben dieser Welt. Es könnte ewig so weitergehen.
(Katja Oskamp Berliner Zeitung)
Astrid Griesbachs Fantasie fing Feuer an dem ansonsten als ziemliches
Ungetüm verschrieenen Krieg-um-Troja-Drama "Troilus und Cressida".
Es wurde bei Griesbach in der Tat zu einer freien "Theater-Fantasie".
Dafür braucht's nur fünf Darsteller, zwei Frauen, drei Männer.
Diese aber sind Komödianten reinsten Wassers: Fools und Akrobaten,
wandlungsfähig bis zum Äußersten, präzis bis ins
letzte, und vor allem: jeder ein famoser Typ.... Die Fünf spielen
alle und alles mit fünf Stuhl-Elementen, von der Requisite bloß
mit biegsamen Schwertern und einer Armada von klitzekleinen Überraschungsei-Plastik-Kriegern
ausgestattet, und das bedingt eine ausgeklügelte Körper-Choreographie
und ein minutiöses Timing. Die Berliner Regisseurin, die vom Puppenspiel
kommt, hat Szene um Szene brillante Einfälle, weiß ihre Fantasie
aber jederzeit so zu zügeln, dass diese nicht überläuft,
sondern zum poetisch-komödiantisch verdichteten Ausdruck wird. Es
entsteht ein fabelhafter Bilder-Bogen, der "Troilus und Cressida"
naturgemäß weit hinter sich lässt und doch ganz nah an
Stoff und diesem verrückten Autor namens Shakespeare bleibt: ein
Balance-Akt der Sonderklasse.
(Salzburger Nachrichten)
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