Terror im Idyll
von Ganghofers schrecklichen Kindern

Theater des Lachens/Berlin, in Koproduktion mit Materialtheater Stuttgart, Theater Peppermind und FITZ Figurentheaterzentrum/Stuttgart, 2004

gefördert durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin.

Ausstattung: Stefanie Oberhoff
Spiel: Annette Scheibler, Hartmut Liebsch

Produktion: Busche und Mans – Secretariat für Cultur

Zum Stück:

Der Berg rutscht! Vroni, Zäzil, Daxen-Schorsch und der Purtscheller stampfen und schlingern über die Berghänge. Kernige Masken spielen ihr immergleiches Spiel: Försterhaus, Tannenbaum, dralle Liebeslockungen - Ganghofers Alpenwelt glüht, leuchtend bunt ins Schwarz gestellt. Und alles ist falsch bis auf das steinerweichende Gefühl, das hinter den Masken hervorstrahlt. Denn dort verstecken sich zwei missratene Wesen, die „schrecklichen Kinder“, Stiefkinder der Geschichte, Steinchen auf dem Weg der Helden. Um die holde Illusion seiner heilen Welt nicht zu beschädigen, dürfen diese Kreaturen in den Romanen des Ludwig Ganghofer regelmäßig das Zeitliche segnen. Jetzt aber reicht es ihnen: sie verweigern den Abgang von der Bühne der heilen Bergwelt, um ihren Platz im Licht zu ergattern. Die Verhöhnten schlagen zurück. Sie schlüpfen in die Masken der vom Autor geliebten Gestalten und stellen dessen schwu¨lstigen Kosmos auf den Kopf. Die Sehnsucht nach der glatten Oberfläche endet in einer Kraterlandschaft. Das „Theater des Lachens“ verbindet auf der Suche nach den Abgründen in der Trivialität den Ludwig-Ganghofer-Roman „Der laufende Berg“ mit alemannischen Fastnachtsmasken und den anarchischen Überlebensstrategien der zu kurz Gekommenen.

Kritikauswahl:

„Ein köstlicher Frontalangriff auf die medial vermittelte Oberflächlichkeit“
(Stuttgarter Nachrichten)


Eine fantasiereiche und zutiefst komische Persiflage auf die heile Welt der Geschichtshelden ist Theaterregisseurin Astrid Griesbach und ihrem Theater des Lachens hiermit gelungen.
(Jessica Cohen Berliner Morgenpost)


Annette Scheibler und Hartmut Liebsch - jene beiden Spieler, die mit Griesbachs "Lear" schon viel Freude bereiteten - verkörpern in "Terror im Idyll" zwei pferdegebissige Fehlfiguren, die sich selbstständig machen, statt sich ihrem Ganghofer-gewollten Schicksal zu ergeben. Sie halten gegen, stellen eine schönstmögliche Idylle nach ihrem Geschmack, mit ihren Mitteln her, um sie genässlich zu vernichten: Sie: "Sag mal glitzern." Er (mit Gebiss): "Glipfern." Sie: "Sag s mal so leise, dass ich die Spuckefäden zwischen deinen Zähnen reißen höre." Er tut es. Beide lächeln friedlich.
(Ulrich Seidler Berliner Zeitung)