Antigone
nach Sophokles

Theater des Lachens/Berlin in Koproduktion mit den Theater unterm Dach/Berlin und Die Theater Wien, 2000

gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Kulturamt Pankow Berlin

Ausstattung: Birgit Schöne
Maske: Helen Laitzsch
Choreografie: Dominique Efstratiou

Spiel: Frank Panhans, Ralf Bockholdt, Thomas Jahn

Eingeladen zum Festival Politik im Freien Theater/Hamburg, Festival Visionen/Saarbrücken, Festival, IMPULSE/NRW

Zum Stück:

Doch nichts ist ungeheurer als der Mensch.“ (Mickey Mouse) Mit Kindern haben Clowns gemeinsam, dass sie übergangslos lachen und weinen können, von Spaß zu Ernst wechlsen. Denn begriffen haben sie ein Grundprinzip des clownesken Spiels: dass alles streng nacheinander passieren muß, nie gleichzeitig, Schlag und Gegenschlag, Aktion und Re-Aktion. Und dann geht's los. Drei männliche Schicksalsgöttinen reiten ein und geraten mit einer alten Geschichte – die erkennbar, fassbar, beschreibbar ist- in eine Welt der verschwimmenden Konturen, der Grenzbeschreibung im Niemandsland. Die drei geifernden Narren treiben ihr Spiel, das mit einer Sandkastenschaufel über Rollenzuweisungen entscheidet. Jeder ist hier Antigone, jeder ist Kreon. Schadenfroh wird das Familiendrama des Ödipusclans zelebriert. Das Purzeln der Werte, das Stolpern der Begriffe, die milchglasigen Spiegelbilder, das Spielmaterial der alten Memoiren, für die Kategorien wie gut/böse irrelevant sind. Der komödiantische ver-rückte Blick auf/in uns, aus dem heraus alles behauptet und ohne Konsequenz wieder zersört werden kann.

Kritikauswahl:

..."Die Kombination aus Pantomime, Sprecherziehung und clownesker Tristesse, die Ralf Bockholdt, Thomas Jahn und Frank Panhans zu einer runden Einheit modellieren, ist meines Erachtens die genialste Mischung, die die experimentelle Theaterszene momentan zu bieten hat. "Antigone" in der Fassung des Theaters des Lachens vereint klassische Textauszüge mit grotesken Neudefinitionen. Ein gelungener Regiestreich von Astrid Griesbach, die es schafft, versteinerten Gallionsfiguren der antiken griechischen Tragödie knallbunte Kleider
(Kostüme: Birgit Schöne ) zu schneidern. Nicht eine einzige Sekunde der 70-minütigen Aufführung trägt vorhersehbare Züge. Blitzschnelle Atmosphäre- und Szenenwechsel schaffen Bildumbrüche, die man höchstens von geglückten Experimentalfilmen kennt..."
(Christina Dobretsberger, Wiener Zeitung)

..."Mit der neuesten Fassung der Tragödie ist dem Theater des Lachens ein besonders eigenwilliger Wurf gelungen. Regisseurin Astrid Griesbach versteht sich jedoch bei aller Narretei auch auf die leisen Töne. Abwechslungsreich inszeniert sie auf dem schmalen Grat zwischen blödelndem Ulk und tiefster Tragik, womit sie der inneren Wahrheit des Darmas sehr nahe kommt. Bei der Premiere im Theater unterm Dach beweisen Ralf Bockholdt, Thomas Jahn und Frank Panhans facettenreich, wie weise Narren sind..."( boro, Berliner Morgenpost) ..."Die drei exzellenten Schauspieler (...) beherrschen den Slapstick...Der Begriff Tragigkomik greift zu kurz, um Astrid Griesbachs Inszenierung zu beschreiben..."
( Sieglinde Geisel, FAZ )

..."So schnell wie der Slapstick in eine Choreographie des Schreckens mündet, so unvermittelt verwandeln sich die Darsteller unentwegt: von Harlekinen zu grunzenden Schweinen, von ernsten Bürgern zu abgefeimten Gaunern. Jeder ist hier Antigone und jeder Kreon, die Rollen werden umhergeschoben wie gefährliches Frachtgut. Die Inszenierung hält diese Spannung fast durchweg brillant aufrecht und entfacht so ein sprühendes Assoziationsfeuer..."
( Dirk Pilz, Zitty )